"Nur kleine Leute zahlen Steuern."
Hotelmillionärin Leona Helmsley vor Gericht, wenige Stunden vor ihrer Verurteilung wegen Steuerhinterziehung
Eine Steuerreform zugunsten der reichsten zehn Prozent und zulasten der restlichen Bevölkerung ist gescheitert. Damit behalten wir das bisherige Steuersystem mit all seinen Nachteilen. Dank dem Nein zum Steuerpaket ist es nicht noch schlechter geworden. Faul ist aber vieles, am System und an der Diskussion.
«Steuergerechtigkeit» hiess einmal auch bei den Bürgerlichen «gerechte progressive Besteuerung» - also Steuersätze, die mit dem Einkommen steigen. Warum fand man das gerecht? Besteuert werden soll das frei verfügbare Einkommen. Je mehr jemand verdient, desto grösser ist der Anteil am Einkommen, der nicht für das unmittelbare Überleben gebraucht wird. Darum darf der Steuersatz steigen.
Heute hört man zu diesem Thema nur noch Klagen über die angeblich zu hohe Progression bei der direkten Bundessteuer. Keiner der klagenden Politiker sagt laut, dass er das Steuersystem degressiv machen will. Das ist auch nicht mehr nötig. Es ist nämlich schon passiert.
Je weniger man verdient, desto grösser ist heute der Anteil, den man abgeben muss. Grund dafür ist die erfolgreiche bürgerliche Steuerpolitik der letzten Jahre: einkommens-abhängige Steuern wurden auf allen Ebenen mehrfach gesenkt, einkommens-unabhängige Steuern noch häufiger erhöht. Geholfen haben auch die Linken, die jede Steuererhöhung aus Prinzip gutheissen, auch wenn sie Leute mit kleinen und mittleren Einkommen viel härter trifft als die mit den fünf- und sechsstelligen Monatslöhnen.
Oben regelmässige Steuersenkungen, unten und in der Mitte jährlich kräftige Erhöhungen - das wirkt sich aus: Jährlich fallen tausende unter die Armutsgrenze, hunderttausende bewegen sich darauf zu. Nur die einkommensstärksten zehn Prozent der Bevölkerung konnten in den letzten zwölf Jahren das verfügbare Einkommen steigern. Drei Viertel der Bevölkerung verlieren seit 1992 Jahr für Jahr an Kaufkraft. Der Hauptgrund dafür ist bekanntlich:
Kopfsteuern passen zum Verfassungsgrundsatz der «Besteuerung nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit» wie eine Faust aufs Auge. Was die Sache noch verschlimmert: Die Krankenkopfsteuer steigt jedes Jahr kräftig.
Auf diese Weise geht der grösste Teil des Geldes an Eltern mit sehr hohen Einkommen. Wer wenig verdient, geht leer aus. Die Antwort der bürgerlichen SteuerpolitikerInnen auf das Armutsrisiko Familiengründung besteht also in Steuerrabatten für die Oberschicht.
Die Ausnahmen haben ähnliche Wirkungen wie die Abzüge: Sie schaffen Arbeitsplätze für ein Heer von Optimierern und Schlupflochspezialistinnen. Sie verhelfen Millionären zu steuerbaren Einkommen von null Franken. Sie machen Normalbürgerinnen und den kleinen und mittleren Unternehmen die Steuerabrechnung zur Hölle. Und sie belasten die Verwaltung: Die Steuerkommissäre verbringen ihre Zeit, indem sie mit den Steueranwälten der Grossverdiener streiten. Dafür gibt es wegen Zeitmangel keine Kontrollen der Steuererklärungen mehr. (Der Kanton Aargau führt gar keine mehr durch, weil die Bürgerlichen das Personal abgebaut haben. Im Kanton Bern kommt ein Unternehmen im Schnitt alle siebzehn Jahre dran. Im Kanton Zürich darf ein Kommissär, der tausende von Steuerpflichtigen betreut, dreimal pro Jahr eine Revision beantragen.)
Das Ergebnis: Wer nicht betrügt, muss sich betrogen vorkommen. Der Staat lebt von den kleinen Leuten und von den dummen (ehrlichen).
Auf dass das Steuernzahlen nicht länger ein Privileg der Dummen, der Ehrlichen und der kleinen Leute bleibt.
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